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Archiv 2024

In diesem Frühjahr hatte die Universität Hamburg (Abteilung Bildarchive) ein ganz besonderes Dülmen-Bild für die Dülmener Erinnerungskultur zur Verfügung gestellt: ein Blick in die kriegszerstörte Viktorkirche, aus südwestlicher Richtung aufgenommen. Der hohe Grasbewuchs in der Ruinenlandschaft und die aufgestapelten Ziegelsteine lassen vermuten, dass das Bild erst 1946 entstand. Dieses Bildmotiv ist nun ein großformatiger Blickfang in der Gedenkecke an der nördlichen Außenwand von St. Viktor in Richtung „einsA“. Das Arrangement von visueller Kulisse und den davor ausgestellten Bomben, die 1945 über Dülmen niedergingen, findet die Anerkennung von Dr. Anke Knapp, Leiterin der Bildarchive des Kunstgeschichtlichen Seminars der Universität Hamburg. „Gerade die Kombination mit den Bombenfragmenten finde ich eindrucksvoll“, meint die Wissenschaftlerin. Sie stellt einen Bezug zur Marienkirche in Lübeck her: „In Lübeck stehe ich auch immer ergriffen vor der Kapelle, in der die 1943 vom Turm gefallenen Glocken liegen – so belassen, wie sie damals herabstürzten, im zertrümmerten Boden.“ – Das Foto von der zerstörten Dülmener Kirche stammt mutmaßlich vom Kunsthistoriker und Hochschullehrer Kurt Wilhelm-Kästner (1893-1976), zumindest gehört es zu dessen Nachlass, der von der Universität Hamburg betreut wird. Wilhelm-Kästner war 1947 Verfasser des Werkes „Der westfälische Lebensraum in der Baukunst des Mittelalters“.

Das neue einsA-Magazin, das Anfang Juli erscheinen wird, schildert auf einer ganzen Seite die Feierlichkeiten am 7. Juni, als im Dülmener einsA-Quartier der neue Gedenkort „Keller Pins“ der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Im Sinne einer Leseprobe ist dieser Beitrag >>> hier nachzulesen.

Eine Gruppe von rd. 25 Lehrerinnen und Lehrern aus dem Regierungsbezirk Münster besuchte am vergangenen Mittwoch den Dülmener jüdischen Friedhof. Sie alle nehmen seit einem halben Jahr an einem Zertifikatskurs „Praktische Philosophie für die Primarstufe“ der Bezirksregierung teil, der sich wöchentlich im Clemens-Brentano-Gymnasium trifft. „In diesem Zertifikatskurs sprechen wir unter anderem über das Thema Weltreligionen und darüber wie z. B. außerschulische Lernorte, wie Friedhöfe, Gedenkstätten, etc. didaktisch in eine Unterrichtsreihe eingebunden werden können“, erläutert Dagmar Wessel, die den Kurs im Auftrag der Bezirksregierung leitet. „In dem künftigen Unterrichtsfach soll mit den Grundschulkindern auch das Thema Judentum und der Umgang mit der jüdischen Geschichte behandelt werden“, ergänzt ihre Kollegin Jill Doebel. Bei der kleinen Exkursion mit Pfarrer Markus Trautmann zum jüdischen Friedhof wurde deutlich, wie wichtig die konkreten Einzelschicksale in der Wissensvermittlung ist – soweit sie noch bekannt sind. „Hinter den Steinen verbergen sich Gesichter“, findet Trautmann.

 

Foto: privat

Seit kurzem liegt das lang erwartete Werk endlich vor: Gisbert Strotdrees hat seine vielbeachtete Artikelserie aus dem „Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben“ zu einem opulenten Buch ausgeweitet. Auf 180 Seiten entfaltet Strotdrees ein allgemein wenig bekanntes Stück Geschichte für ein breites Lesepublikum. Denn das Landjudentum in Westfalen hat nicht nur eine lange Geschichte, die bis ins Mittelalter zurückreicht, sondern eine reiche kulturelle Tradition, und es birgt viele außergewöhnliche Geschichten. Das Buch ist reich und lebendig bebildert – Die Illustrationen stammen aus Archiven in ganz Deutschland, in den USA und Israel. Etliche Fotografien werden in diesem Band erstmals veröffentlicht. Das Buch trägt die ISBN/EAN: 978 378 435 78 12 und kostet 24,- €. – An verschiedenen Stellen wird auch Dülmen erwähnt, etwa in einer Auflistung über „Jüdische Schützenköniginnen und -könige“ in Westfalen: So war Jacob Leeser 1882 König der Bürgerschützen in Dülmen; 1903 war Sally Mendel Schützenkönig in Rorup. – Unsere Bilder zeigen Gisbert Strotdrees bei einem Vortragsabend 2022 im Dülmener „einsA“ bzw. vor der archäologischen Grabung „Keller Pins“.

Mit einem kleinen Festakt, der musikalisch sowie von Schülerinnen und Schülern gestaltet wurde, wurde der Keller Pins zwischen der Kirche St. Viktor und dem einsA als Erinnerungsort übergeben. Der Keller gehört zum Wohnhaus der jüdischen Familie Pins.

Am 12. Juni jährt sich der Geburtstag von Anne Frank zum 95. Mal. Die pädagogische Zeitschrift „Katholische Bildung“ befasst sich in der neuesten Ausgabe mit der Religiosität von Anne Frank. Wir stellen vorab eine Leseprobe >>> vor; das betreffende Heft von „Katholische Bildung“ kann beim „Verein katholischer deutscher Lehrerinnen“ (VkdL, Hedwig-Dransfeld-Platz 4, 45143 Essen; Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) bestellt werden. Weitere Infos über den Verband unter www.vkdl.de.

Foto: wikipedia.org#gemeinfrei

Die Gäste, die sich am 7. Juni zur feierlichen Übergabe des Dülmener Gedenkortes „Keller Pins“ einfanden, hatten im Anschluss der Veranstaltung die Gelegenheit, auch einen Blick in den kleinen Gedenkraum zu werfen, der sich an der nördlichen Außenwand der Dülmener Viktorkirche befindet. Hier werden einige Relikte aus dem Zweiten Weltkrieg aufbewahrt – nämlich die in jüngerer Zeit geborgenen „Blindgänger“ sowie der Rest einer detonierten Fliegerbombe, die im Februar bzw. März 1945 über Dülmen abgeworfen wurden. Zu den Besuchern am vergangenen Freitag gehörten auch Landrat Dr. Schulze Pellengahr (links im Bild) und Bürgermeister Hövekamp (rechts im Bild), die sich von dem eindringlichen Beitrag zur Dülmener Erinnerungskultur beeindruckt zeigten. Eine ebenfalls in der Gedenkecke platzierte Erläuterungstafel >>> gibt einige Hinweise zu den Funden und zum historischen Hintergrund.

In eindrucksvollen Worten hat der Vorsitzende des Dülmener Heimatvereins, Erik Potthoff, den neuen Dülmener Gedenkort „Keller Pins“ gewürdigt. Anlässlich der offiziellen Übergabe des archäologischen Bodenfensters an die Öffentlichkeit am 7. Juni 2024 verglich er in einer Ansprache >>> die präsentierte Leere mit einer Vase: „Eine Vase wird in erster Konsequenz vor allem deshalb sehr geschätzt, weil sie zunächst nichts enthält. Sie ist in ihrem Ursprungszustand leer. Diese Leere ist kein Mangel, sondern vielmehr die inhärente Eigenschaft der Vase. Die Leere ist also nicht ihr Mangel als vielmehr ihr Vorzug.“ Es sei, so Potthoff, gerade das Fehlende, was der Vase das verleiht, was sie schließlich ist. Die neu erschlossene Leere eines früheren Kellergeschosses könne anregen, „an die zu denken, die hier einst zu Hause waren.“

"Der Kafka-Kult. Vom Eigenbrötler zum Popstar“ – so titelt das Nachrichtenmagazin SPIEGEL auf der aktuellen Ausgabe (Nr. 23/2024). „Franz Kafka hat die Welt nicht verstanden. Die Welt aber versteht ihn“, so Autor Xaver von Cranach. „Obwohl er schon vor 100 Jahren starb, scheinen seine Romane heute das Lebensgefühl der Postmoderne perfekt zu treffen.“

Wir haben anlässlich des 100. Todestages des Prager Juden und Schriftstellers Franz Kafka (am 3. Juni) den Dülmener Deutschlehrer und Kulturpolitiker Florian Kübber durch vier Fragen um eine Einschätzung zu Kafka gebeten. 

Erste Frage: Wann und wie war Ihr erster persönlicher Zugang zum Werk von Franz Kafka? 
Antwort: Mein erster Zugang zum Werk von Franz Kafka war in der Oberstufe. Ich habe mir damals in der Stadtbücherei ein Sammelwerk von Franz Kafka ausgeliehen und einfach etwas gelesen.

Zweite Frage: Welche Rolle spielt Kafkas Werk nach Ihrer Wahrnehmung heute im Schulbetrieb, d.h. über die eigene Schule hinaus, z.B. im Lehrplan?
Antwort: Leider spielen die Werke von Franz Kafka aktuell keine große Rolle im Schulbetrieb. Dies hat, zumindest in der Realschule, mit der Einführung der zentralen Abschlussprüfung zu tun, wo einfach nicht mehr vorgesehen ist, Parabeln inhaltlich im Unterricht zu fokussieren. Die älteren Kolleginnen und Kollegen haben mir aber berichet, dass frührer gerne in der 10. Klasse mit den Schülerinnen und Schülern über die Parabeln und Kurzgeschichten von Franz Kafka gesprochen wurde. In der Oberstufe ist es vielleicht auch etwas anders, hier könnte ich mir gut vorstellen, mit Schülerinnen und Schülern über die Texte von Kafka zu sprechen.

Dritte Frage: Wo sehen Sie die Grenzen und Chancen, sich als junger Mensch mit Kafka zu befassen? 
Antwort: Im Prinzip sehe ich keine Grenzen, sich als junger Mensch mit den Werken von Kafka zu beschäftigen. Allerdings müssen junge Menschen erst etwas motiviert werden, in die Werke von Kafka einzutauchen. Die Werke sind oft sehr linear strukturiert und detailgetreu und realistisch verfasst. Man muss sich auf die Texte einlassen und auch bereit sein, über die Texte im Anschluss etwas nachzudenken und zu überlegen, wie diese parabelhaften Texte von Kafka decodiert werden können. Dies kann mitunter immer wieder zu kontroversen Diskussionen führen, da die Texte nicht eindeutig entschlüsselt werden können.

Vierte Frage: Welches Kafka-Werk wäre ein guter „Einsteiger“?
Antwort: Ich bin über "Die Verwandlung" zu Kafka gekommen. Hier gibt es direkt mehrere Motive zu entdecken: Die Interaktion mit der Gesellschaft, die Familie und auch das Verhältnis zur Arbeitswelt werden hier thematisiert. Darüber hinaus geht es um die Identität von Gregor Samsa, der Hauptperson. Insgesamt sind dies immer noch sehr aktuelle Interperationen, die uns Kafka mit diesem Werk offeriert, weshalb es sich zum Einstieg sicherlich anbietet. Aber auch die Romane "Der Prozeß" und "Das Schloß" bieten sich als Einstieg an. Zusätzlich kann aber auch Sekundärliteratur über Kafka hilfreich sein, etwa die Lebensgeschichte des Autors, um die Werke insgesamt besser verstehen und rezipieren zu können.

Als eine der ersten Kommunen in Deutschland war es Münster, wo schon vergleichsweise früh nach dem Zweiten Weltkrieg durch ein öffentliches Mahnmal an die Zerstörung der Synagoge 1938 erinnert wurde – nämlich vor 75 Jahren. Am 29. Mai 1949 weihte der damalige Oberbürgermeister Gerhard Boyer einen rechteckigen, im Hochformat aufgestellter Stein aus Muschelkalk mit einer Höhe von 2 Metern ein, der zunächst auf dem Synagogengrundstück zur Promenade hin und ab 1985 am heutigen Standort an der Klosterstraße platziert wurde. Schon 1947 gab es einen ersten Vorstoß, denn die Aufstellung eines Gedenk- und Mahnmals war für den 10. Jahrestag der „Reichskristallnacht“ vorgesehen. Daher lautet die Inschrift: „Hier stand das Gotteshaus der Jüdischen Gemeinde unserer Stadt Münster. Es wurde am 9. November 1938 ein Opfer des Rassenwahnes. Von der Gemeinde, die 1938 noch 430 Mitglieder zählte, blieben nur 20 am Leben. Den Toten zum ehrenden Gedenken, den Lebenden zur Mahnung. 9. November 1948. Die Stadt Münster Westf.“ Die Website der Stadtarchivs Münster erinnert unter der Rubrik „Erinnern nach 1945“ >>> an den Gedenkstein und die späteren Ereignisse rund um dieses Mahnmal.  

Fotos: Stadtarchiv Münster

StViktor

Auf jüdische Spuren
in St. Viktor

„Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich!“ Mit diesen Worten ermahnt der Apostel Paulus (vgl. Römer 11,18) die christliche Gemeinde, ihren religiösen Ursprung nicht zu vergessen: Das Christentum gründet auf dem JudentumDas Neue Testament ist ohne das Alte Testament nicht verständlich. Die christliche Liturgie und auch die Kunst enthalten zahlreichen alttestamentliche Zitate oder Anspielungen auf das Judentum. Dies soll bei einer kleinen Exkursion durch die Dülmener Viktorkirche anhand von zehn Bildmotiven und Symbolen verdeutlicht werden. 

Schlange

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Eril Potthoff

Erik Potthoff

Vorsitzender des Heimatvereins Dülmen

Mit spannender Erwartung habe ich den ersten Bericht über das Schicksal von Louis Pins in der Dülmener Zeitung gelesen und bin gerade dabei, die Fortsetzung zu lesen. Unglaublich, wie viele Informationen nach so langer Zeit doch noch zusammen getragen werden können; ganz toll für die Geschichte dieser Stadt!